Der Reichtum von Dieter Schwarz entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern wird tagtäglich von Millionen Menschen weltweit erarbeitet. Vom Feld bis zur Kasse sind es Arbeiter:innen in der Landwirtschaft, der Logistik und in den Filialen, die Lebensmittel produzieren, transportieren und verkaufen. Sie erwirtschaften letztlich den Wert, den sich Dieter Schwarz als Profit aneignet. Ohne ihre Arbeit und ökologischen Ressourcen gäbe es keinen einzigen Cent von Dieter Schwarz‘ Vermögen.
Dabei ist es wichtig, klarzustellen, dass es Dieter Schwarz und Co letztlich nicht um die Versorgung von allen Menschen mit gesunden Lebensmitteln, sondern um Profit geht. Der Verkauf von Lebensmitteln ist dabei lediglich Mittel zum Zweck. Das Geschäftsmodell der großen Supermarktketten basiert dabei auf drei zentralen Strategien:
Einkaufspreise drücken:
In Deutschland haben die 4 großen Supermarktketten Rewe & Penny, Edeka & Netto, Schwarz-Gruppe (Lidl & Kaufland) und Aldi ~85% Marktanteil. Diese Lebensmitteleinzelhandel-Oligarchen nutzen ihre anti-demokratische Marktmacht, um Preise zu diktieren und Produzent*innen unter Druck zu setzen. Nach dem Motto: Wer sich den Bedingungen nicht beugt, fliegt aus dem Regal. Das zwingt Produzent:innen dazu, zu extrem niedrigen Preisen zu liefern. Dass zu diesen Preisen nur basierend auf schlechten Arbeitsbedinungen, niedrigen Löhnen und Umweltzerstörung produziert werden kann, wird nicht nur akzeptiert, sondern strukturell vorausgesetzt. Je weiter wir entlang der Lieferkette zurückblicken, desto schlimmer wird die Ausbeutung. So beschreibt Oxfam, dass der Preisdruck der deutschen Supermarktketten zu menschenunwürdigen Arbeitsbedinungen in anderen Ländern führt, während fast 50% des Verkaufspreises von Produkten wie Bananen beim deutschen Einzelhandel landet.1 Imperiale Ausbeutung entlang der Lieferketten ist also zentral für den Profit der Schwarzgruppe. Auch in Deutschland führt die anti-demokratische Marktmacht und Preisdiktatur von Lidl&Co zum Verlust von kleinen bäuerlichen Betrieben und dem Anstieg von industrieller Landwirtschaft, mit fatalen Konsequenzen für Umweltschutz und Arbeitsrechte.
Mehr ist mehr:
Supermärkte sind darauf optimiert, uns zum maximalen Konsum zu manipulieren. Riesige Einkaufswägen, Rabatt-Apps wie LidlPlus und gezielte Produktplatzierung sollen dazu anregen, bei jedem Einkauf so viel wie möglich zu kaufen. Allen, die schonmal die Lidl-Plus App genutzt haben, ist dies bewusst – ja, manchmal spart man ein bisschen was, aber letztendlich ist es doch nur eine Methode, damit wir immer wieder kommen und immer mehr kaufen. Es geht nicht darum, was Menschen brauchen, sondern darum, wie sie dazu gebracht werden können, mehr zu konsumieren.
Personalkosten senken:
Die Stellschraube, die Lidl und co am meisten drehen, um Proift zu maximieren, sind Personalkosten. Nicht unbedingt durch extrem niedrige Löhne, aber durch immer weniger Personal pro Schicht. Chronische Unterbesetzung, Dauerstress und strenges Leistungs-Monitoring sind Alltag für Arbeiter:innen bei Lidl, Kaufland und in den Verteilzentren. Erst kürzlich beschrieb eine Investigativ-Recherche von Stern2 extreme Misstände in Kaufland- Filialen: Schimmel, Mäuse und ein „Klima der Angst“. Wichtig ist, dabei festzuhalten, dass es sich nicht um Einzelfälle und schon gar nicht um „Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter:innen“ handelt. Der Effizienzdruck ist Grundvoraussetzung für das System und Mitarbeiter:innen werden durch das entstehende „Klima der Angst“ genötigt, fahrlässig zu handeln, dies ist vom Management einkalkuliert. Wer nicht will oder kann, wird früher oder später gekündigt, mit dem Verweis auf „nicht leistungsfähig genug“. Doch ist nicht die „Leistungsfähigkeit“ von Arbeiter:innen das Problem, sondern die Profitlogik, die auf ausbeuterische Arbeitsbedingungen angewiesen ist. Es gilt: „wärst du nicht gehetzt, wär Dieter nicht reich“.
Was bedeutet das?
Effizienzdruck, soziale Ausbeutung, extreme, imperiale Ungerechtigkeiten entlang von Lieferketten und ökologischer Zerstörung sind das Fundament für das Vermögen von Dieter Schwarz & Co. Das entscheidende ist, dass diese Ungerechtigkeiten keine Fehler, sondern strukturelle Voraussetzung für Profit im Einzelhandel sind. Es gilt:
„ohne imperiale Ungerechtigkeiten entlang der Lieferkette, ohne die Zerstörung von Ökosystemen und ohne ausbeuterischen Effizienzdruck in den Filialen und Verteilzentren wären Dieter Schwarz & Co nicht reich.“
1) https://www.oxfam.de/system/files/documents/2022_oxfam_grenzenlose_ausbeutung.pdf
2) https://www.stern.de/wirtschaft/kaufland-skandal–stern-und-rtl-decken-hygienemaengel-und-missstaende-auf-35532336.html
