Lebensmittelpreise sind seit 2020 stark angestiegen. Der Satz „So teuer für das bisschen?“ ist für viele Routine beim Bezahlen an den Supermarktkassen geworden. Seit 2020 sind Lebensmittelpreise durchschnittlich um 34% gestiegen, während Löhne, wenn überhaupt, viel langsamer angehoben wurden. Die Konsequenz: Immer mehr Menschen haben Schwierigkeiten, Miete und Lebensmittel mit ihren Löhne zu bezahlen. Ernährungsarmut steigt und die Schlangen an Tafeln werden immer länger.

Supermarktketten waren die ersten, die die harten Zeiten beklagten und auf „externe Faktoren“, wie z.B. „steigende Energiekosten“ verwiesen, um die krass ansteigenden Preise in ihren Filialen zu erklären. Doch diese Erzählung ist unvollständig:

Viele Studien belegen, dass Supermarktketten ihre Marktmacht während der Krise nutzten, um Preise künstlich nach oben zu treiben. Sie reichten die Inflation also nicht weiter, sondern verursachten diese zu großen Teilen selbst! Die Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Legarde, kommt bspw. zu dem Schluss, dass 2/3 der Inflation auf Unternehmensgewinne zurückzuführen sind.1 Dies lässt sich auch daran erkennen, dass die Preise in Supermärkten auf hohem Niveau bleiben, obwohl die Kosten für externe Faktoren, wie z.B. Energiekosten, wieder gefallen sind.
Es sind also die Eigentümer der großen Supermarktketten, die ihre monopolartige, anti-demokratische Marktmacht nutzten, um in Krisenzeiten Preise künstlich nach oben zu treiben, um Profite zu maximieren und Rekordgewinne einzufahren, während sie die Löhne ihrer Arbeiter:innen, wenn überhaupt, minimal anhoben. Statt echter Entlastung gab es symbolische, jämmerliche Inflationsboni.

Während also Dieter Schwarz‘ Überreichtum seit Beginn der Corona Krise um 17 Milliarden Euro angestiegen ist, kämpfen die Leute, die seinen Profit täglich erwirtschaften – Arbeiter:innen entlang der Lieferketten, in den Filialen und Verteilzentren – darum, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Es handelt sich hierbei nicht um eine „natürliche Entwicklung aufgrund von externen Faktoren“, sondern um eine perfide, systematische Verteilung von unten nach oben, die auf konkreten Unternehmensentscheidungen beruht.

Deswegen lasst euch nicht verarschen, wenn Lidl, Aldi und Co sich nun für die „größten Preissenkungen ihrer Geschichte“ feiern. Das wäre so, als würde man den Preis von Kinotickets erst erhöhen, um sich dann für Ticket-Rabatte zu feiern. Die Gewinne der Eigentümer während der Krisen sind einer der Hauptgründe, warum Preise überhaupt gestiegen sind. Jetzige Preissenkungen sind nichts als eine Show, um davon abzulenken.

Für mehr Infos: https://www.rosalux.de/news/id/53043/wer-profitiert-von-der-lebensmittel-inflation
1) https://www.ecb.europa.eu/press/key/date/2023/html/ecb.sp230627~b8694e47c8.en.html