„Jetzt mal halblang, das ist doch alles nur Neid. Dieter Schwarz hat sich halt angestrengt, das Schwarz Imperium aufgebaut, tausende Jobs kreiert und nun spendet er ja sogar mit der Schwarz Stiftung an unzählige gemeinnützige Projekte.“
Diesen Eindruck haben viele. Es sei Neid über das Vermögen einzelner zu reden. Doch das verkennt, worum es geht. Es geht nicht um Geld, sondern um Macht. Es geht um die Frage, wer in unserer Gesellschaft darüber entscheiden kann, wie die Produktion und Verteilung von Lebensmitteln organisiert wird, wer davon profitiert und wer dadurch verliert. Dieter Schwarz‘ Überreichtum ist ein extremes Problem, weil es zum einen Ausdruck eines Lebensmittelsystems ist, das Profit für wenige über Versorgung und Wohlergehen aller stellt und nur durch sozial-ökologische Ausbeutung funktioniert und zum anderen, weil dieses Vermögen ihm erlaubt, die Demokratie zu untergraben.
Wie in einem anderen FAQ ausführlicher beschrieben, entsteht Dieter Schwarz’ Überreichtum nicht im luftleeren Raum, sondern wird tagtäglich von Millionen Menschen weltweit erarbeitet, die Lebensmittel produzieren, transportieren und verkaufen. Sie sind es, die den Profit ermöglichen, den sich Dieter Schwarz aneignet. Die kontinuierliche Profitaneignung basiert auf anti-demokratischer Preisdiktatur gegenüber Produzent:innen, auf Kosten von Ökosystemen und Arbeitsbedingungen und maximaler Effizienzsteigerung in den Filialen und Verteilzentren. Der Überreichtum von Dieter Schwarz ist also nicht etwa ein Beweis für seine besondere Leistung, sondern Ausdruck eines Systems, das Ausbeutung strukturell voraussetzt und mit Profiten für wenige belohnt.
Die Konzentration von Überreichtum in den Händen von Einzelpersonen ist außerdem inkompatibel mit unserer Demokratie, wie spätestens das Beispiel Elon Musk ein für alle mal klar gemacht hat. Wer so viel Kapital kontrolliert, kann nicht nur Einfluss nehmen, sondern hat die Macht, Gesellschaft so zu machen, wie sie ihm gefällt. Auch in Deutschland lässt sich beobachten, dass reiche Branchen wie die Finanz- und Autobranche fundamental mehr finanzielle und personelle Ressourcen in Lobbyarbeit stecken als gemeinnützige Organisationen. So nutzt auch Dieter Schwarz seinen Überreichtum, um Einfluss zu nehmen, auf Städteplanung, auf Bildung, auf die öffentliche Debatte. Ein besonders deutliches Beispiel ist die Stadt Heilbronn, in der die Macht der Schwarz-Gruppe nahezu überall zu spüren ist. Ob Hochschulbauten, Stadtentwicklung oder Kulturförderung – vieles wird heute mit „Hilfe“ der Schwarz-Stiftung finanziert. Doch was auf den ersten Blick wie ein großzügiges Unterfangen wirkt, ist letztlich ein Ausdruck von demokratischem Kontrollverlust: Wo öffentliche Aufgaben vom Geld eines Überreichen abhängig gemacht werden, geht die Demokratie verloren.
Konkret zeigt sich das zum Beispiel im Bildungsbereich. Die Schwarz-Stiftung hat in den letzten Jahren mehrere Universitäten und Forschungsinstitute mit Zuwendungen im Millionenbereich nach Heilbronn gelockt, auf den ersten Blick als Förderung von Innovation und Forschung. Doch wie eine Recherche von FragDenStaat1 zeigt, ist diese sogenannte Bildungsförderung eng mit den Interessen der Schwarz-Gruppe verzahnt. Studiengänge und Forschungsschwerpunkte orientieren sich an den Bedürfnissen des Konzerns, insbesondere in den Bereichen Logistik, KI und Management. In anderen Worten, es wird nicht geschenkt, sondern investiert und zwar in „Humankapital“ für die Schwarz-Gruppe. Alles berechtigte Studiengänge und Forschungsvorhaben, doch entscheidend ist die Untergrabung der Demokratie. Statt demokratischer Aushandlung entscheidet Kapital darüber, was gefördert wird – und was nicht. Das ist nicht nur ungerecht, sondern gefährlich. Sollte was, wie und wo studiert werden kann, wirklich von der Macht einzelner Überreicher abhängen?
Der Überreichtum von Dieter Schwarz, der zu großen Teilen auf die Marktmacht der Schwarzgruppe zurückzuführen ist, ist also anti-demokratisch und untrennbar mit der Ausbeutung von Produzent:innen, Supermarktangestellten und Ökosystemen verbunden und daher ein extremes Problem.
1) https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2022/10/einfluss-der-dieter-schwarz-stiftung-in-heilbronn/
